Traveller:6 Jacques de Lalaing 1446-1448, 1448-1449, 1450-1451 und 1451
Places:
Date: 1446 bis Anfang 1448; Dezember 1448 bis 1449; 1450 bis April 1451 und 1451 (nach ESCOUCHY II-1863, 9, Anm. 1 Abreise in Mons 1451 Mai 7; nach DUFRESNE V-1890, 228 und 228, Anm. 2 Ankunft in Rom am 11. Mai des Jahres, Rückkunft am frz. Hof am 18. Juni, Beleg: ADN B 2017, fol. 114v und fol. 116).
Author: Zuschreibung unsicher. Lange Zeit galt Georges Chastellain (ca. 1415-Anfang 1475), Chronist und Dichter Philipps des Guten und Karls des Kühnen, als Autor des "Livre des faits du bon chevalier messire Jacques de Lalaing" (entstanden um 1470). – Siehe zu Chastellain zunächst DUFOURNET 1964a und VERNET 1983 und die von diesen genannte Lit., v.a. aber DELCLOS 1980, neuerdings ZINGEL 1995, 127-163, hier v.a. 133 mit Anm. 55 m.w.N. – Bereits Kervyn de Lettenhove in CHASTELLAIN VIII-1866, VII schreibt: "Notre opinion sur une question si obscure exige quelques développements. Selon nous, le livre des faits de Jacques de Lalaing appartient pour quelques chapitres seulement au héraut Charolais, et pour tout le reste, à peu de chose près, à Lefebvre Saint-Remy." MORAND 1876, LX bezogen auf die Hs. PARIS: BN n.a.fr. 1167, versehen mit einer "notice de Saint-Remy sur Jacques de Lalaing": "C'est évidemment cette composition qui est inserée textuellement au milieu de la Chronique du bon Chevalier, c'est-à-dire Jacques de Lalaing, dans les oeuvres de Chastellain," von der Lefèvre de Saint-Remy der Autor ist. Vgl. ebenfalls VALLET DE VIRIVILLE 1861, Sp. 942, Anm. 1 mit QUICHERAT 1864, 572 und DOUTREPONT 1939, 221 (der sich allerdings wesentlich detaillierter über das Problem der Zuschreibung äußert, als diese Angabe vermuten ließe, siehe ebd.), v.a. aber RAYNAUD 1902, 546ff. Die Problematik ist kurz notiert bei CAUCHIES 1991a, zusammengefaßt bei BORN 1986, 111f. PARAVICINI 1975, 544, Anm. 49 vermutet unter Hinweis auf GRIFFIN 1955 ohne genaue Angabe Antoine de La Sale als Autor des "Livre des faits ..." (Griffin kommt allerdings 97f., Anm. 7 zu dem Schluß, "the livre is indeed a compilation by several writers"); siehe zu Antoine de La Sale GOSSART 1902 (zu dem genannten Problem 6), vgl. aber RAYNAUD 1902. Immerhin hat Chastellain neben den hauptsächlich mündlichen Zeugnissen seiner Zeit tatsächlich v.a. die Chronik von Lefèvre de Saint-Remy verwertet, der wiederum teilw. auf der Chronik des Enguerran de Monstrelet aufbaut (siehe ZINGEL 1995, hier v.a. 131-133). Jean Lefèvre de Saint-Remy, Wappenherold des burgundischen Hzg.s Johann Ohnefurcht ("Charolais"), ab 1431 dann Wappenkönig des Ordens vom Goldenen Vlies ("Toison d'or"), ist somit zunächst nicht nur mutmaßlicher Verfasser der besagten Chronik, sondern auch gesicherter Autor einer "Epître" (ed. v. François Morand 1884: SAINT-REMY 1884; vgl. ZINGEL 1995, 58-69, hier v.a. kritisch 59 mit Anm. 13), in welcher die Taten Jacques de Lalaings gefeiert werden. Für GAUCHER 1989, 503 steht fest, daß Jean Lefèvre de Saint-Remy der Autor ist. – Siehe zu Saint-Remy im Überblick DUFOURNET 1964b und BOURGAIN 1991, v.a. jedoch ZINGEL 1995, 58-69. – Eine ausführliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Frage der Autorenschaft hat RUDNITZKI 1915 in seinem "Exkurs über den Verfasser" geleistet. Er nimmt zunächst ebd., 11 als terminus a quo das Jahr 1475 für die Entstehung des "Livre des faits ..." an. 11ff. belegt er schließlich detailliert seine These, der Verfasser sei der Herold Charolais, siehe insbesondere ebd., 24. Dieser Herold Charolais war der Nachfolger des Lefèvre de Saint-Remy, vermutlich seit 1433, dem Geburtsjahr Karls des Kühnen. Karl der Kühne selbst fungiert bei RUDNITZKI 1915, 24f. überzeugend als Auftraggeber der Schrift, vgl. auch LANGE 1986, 5757.
More Info: Idealtyp des burgundischen Ritters. Jacques (bzw. Jacquet) de Lalaing (auch La Lain, Lalain etc., vgl. BORN 1986, 15), genannt "le bon chevalier sans peur et sans doute", entstammte einer angesehenen Adelsfamilie aus dem Hennegau (vgl. zur Genealogie SCHWENNICKE VII-1979, Tafel 70 und 71, ansonsten umfassend BORN 1986), benannt nach einem Dorf in der Kastellanei von Lille oder/und nach dem in der Grafschaft Ostrevent gelegenen Familienlehen Lallaing, die im Dienst der burgundischen Herzöge zu höchsten Würden gelangte (vgl. im Zusammenhang der burgundischen Geschichte PIRENNE II-1902, 432 und 456 und III-1907, 75, 109 und 236f., sonst v.a. WIN 1994, der die bislang beste Bibl. zu Jacques de Lalaing bietet. Zu anderen Mitgliedern der Familie Lalaing siehe BRASSART 1879, 87-89 und SMEDT 1994, pass. mit weiterführender Lit., v.a. aber BORN 1986, der die beste allumfassende Darstellung des Hauses Lalaing liefert, zu Jacques de Lalaing insbesondere aber GRIFFIN 1955). Geb. um 1420 auf Schloß Lalaing, gefallen bei Poe(c)ke (Poucques) 1453 Juli 3 oder 4. Sohn von Guillaume de Lalaing, des Bailli vom Hennegau und späteren Statthalters von Holland, Seeland und Friesland. Noch als Heranwachsender Bekanntschaft mit dem jungen Hzg. von Kleve, Neffe und Edelknappe Philipps des Guten. Mit diesem am Burgunderhof zu Brüssel, wo er ebenfalls zum Edelknappen des Burgunderherzogs ernannt wurde und sechs Jahre verbrachte. Erste Waffentaten 1443 bei der Eroberung des sich widersetzenden kaiserlichen Lehens Luxemburg, das Philipp der Gute durch Kauf erworben hatte. Im Frühling 1445 aus Anlaß des Besuches von Karl VII. in Nancy und Châlons-sur-Marne Teilnahme an Ritterspielen. Noch im selben Jahr wieder am burgundischen Hof, nahm er die Herausforderung eines sizilianischen Edelmannes (Jean de Bonifacio) an, beendete diese ritterliche Auseinandersetzung aber zu seinen Gunsten, wobei er den Titel "le bon chevalier" erwarb, und erhielt darauf am 15. Dezember 1445 in Gent den Ritterschlag durch Philipp den Guten. Von 1446 bis 1448 begab er sich "comme une sorte de chevalier errant" (WIN 1994, 111. BORN 1986 betitelt sein Kapitel X. mit "Le chevalier errant") auf Turnierreise nach Frankreich, Navarra, Kastilien, Portugal und Aragon und kehrte über das Languedoc und die Dauphiné zurück nach Burgund und erreichte Brügge Anfang 1448. Nach einem kurzen Aufenthalt auf Schloß Lalaing Reise nach Schottland und England. "Le but constant de ces pérégrinations divers était toujours d'acquérir la gloire chevaleresque et d'accroître sa renommé ..." (VALLET DE VIRIVILLE 1861, Sp. 940). Außer in Kastilien (hier kämpfte Jacques de Lalaing in Valladolid 1447 gegen den span. Edelmann Don Diego de Guzman "en présence de toute la cour d'Espagne". Guzman war Bruder des Großmeisters des Calatrava-Ritterordens) und Schottland (Kampf vor Kg. Jakob II. gegen Lord John Douglas und zwei andere Edelleute aus dem Clan der Douglas, die gegen die Onkel von Jacques de Lalaing, Simon de Lalaing und Hervé de Meriadec, kämpften) fand Jacques de Lalaing auf seinen Fahrten niemanden, der erpicht darauf war, sich mit ihm zu messen, zudem versagten einige der besuchten Höfe ihre Zustimmung zu ritterlichen Kämpfen. Im Jubeljahr 1450 unternahm Jacques de Lalaing eine Pilgerfahrt nach Rom. Er reiste zurück über Neapel, wo er seinen Jugendgefährten, den Hzg. von Kleve, traf, der von einer Pilgerfahrt nach Jerusalem kam (vgl. PARAVICINI 1994a, 110-113, Nr. 43). Gemeinsam kehrten sie durch die Lombardei und Savoien zurück nach Burgund. In Mons im Hennegau wurde Jacques de Lalaing am 2. Mai 1451 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen. Im selben Jahr schließlich sandte der Hzg. von Burgund eine Mission zu Papst Nikolaus V. und Alfons V., der Jacques de Lalaing als conseiller und chambellan Philipps des Guten angehörte, die sich mit der Frage der osmanischen Bedrohung befasste bzw. den förmlichen Abschluß einer Allianz zum Zweck des Kreuzzugs zwischen Burgund, Portugal und dem Papst zum Gegenstand hatte. Ebenfalls im selben Jahr zog Jacques de Lalaing in die zwei Jahre währenden Bemühungen zur Niederschlagung des Genter Aufstands. Bei der Belagerung von Poucques (der Burg Poe[c]ke) erlitt er 1453 Juli 3 oder 4 eine tödliche Verwundung (BORN 1986: Juli 5. PARAVICINI 1977 nennt 138f., Anm. 56 die Quellenbelege zum Tod Jacques de Lalaings durch eine Kanonenkugel [in Anlehnung an dies von ihm zu Recht hinsichtlich ihrer symbolischen Bedeutung in Frage gestellten Ereignisses gibt MELVILLE 1996 der idealisierten Gestalt des Jacques de Lalaing ihre historischen Konturen in Relation zum historischen Kontext der Zeit zurück und zeichnet ganz und gar nicht das Bild eines Mannes, der sich dem Versuch, alten Ritteridealen nachzuleben, verschrieben habe, dennoch gilt: "Il fut un des derniers représentants de l'idéal chevaleresque", siehe VALLET DE VIRIVILLE 1861, Sp. 942]. Hierzu illustrative und charakteristische Beispiele bei CARTELLIERI 1926, 80, 92, 99-103, 128f., 131]). – Antoine de Lalaing, der Sohn des Josse de Lalaing, eines Vetters von Jacques de Lalaing, ist der Verfasser der bedeutenden Beschreibungen der Spanienreisen Philipps des Schönen (Literaturhinweise in der Einleitung der vorliegenden Bibl.).
Group: Erste Reise: Jacques de Lalaing trifft während der Rückreise 1448 in Montpellier Jacques Coeur (DUFRESNE V-1890, 101, Anm. 3; BORN 1986, 124-126; überaus anschauliche Schilderung des Empfangs Jacques de Lalaings durch Jacques Coeur bei MOLLAT 1991, 238f.). Fahrt nach Schottland und London 1448/1449: Begleiter waren seine Onkel Simon de Lalaing, Sire de Montigny, und Hervé de Mériadec. Auf der Rückreise Mitfahrt des Engländers Thomas Kar, der sich in Brügge mit Jacques de Lalaing messen wollte, da dies auf engl. Boden durch den engl. Kg. verboten worden war). Rom/Neapel 1450/1451: Rückreise gemeinsam mit dem Hzg. von Kleve. Rom 1451: Jacques de Lalaing, Jean de Croy, Jean Lefèvre de Saint-Remy, der Herold des Ordens vom Goldenen Vlies, ein Doktor der Theologie und ein Sekretär (DUFRESNE V-1890, 228 und 228, Anm. 2 nennt nach ADN B 2008, fol. 100 und fol. 145 und BR 1921, fol. 153v und fol. 177v als Mitreisende der Hinreise Jean de Croy, seigneur de Chimay, Toison d'or und den Abbé d'Everbode, als Mitreisende der Rückreise Jean Germain, den Bf. von Chalon, André, seigneur de Humières und Nicolas le Jaul, einen maître des requêtes. Der Text des Vortrags bei der Rückkunft am frz. Hof durch Jean Germain ist erhalten als "Ms. petit in-4?" in der BN, ms.fr. 5737 "avec une miniature en tête, représentant Charles VII donnant audience aux trois ambassadeurs", siehe DUFRESNE V-1890, 228, Anm. 3).
Other Travels:
Manuscripts:ANHOLT: Fürstl. Salm-Salm'sches Archiv zu Anholt/Westfalen, Hss. Inv. Nr. 1 (Angabe der Signatur nach einem freundl. Hinweis von Herrn Dr. D. van Krugten, Fürstl. Salm-Salmsche Verwaltung – Bibl., Museum Wasserburg Anholt, Isselburg): "Le livre des faits du bon chevalier messire Jacques de Lalaing". Illuminierte Prachths. Turnierbuch in Form eines biograph. Ritterromans aus dem letzten Drittel des 15. Jh.s, Miniaturen aus späterer Zeit, ca. zweites Drittel 16. Jh. (siehe RUDNITZKI 1915). Beschreibung nach RUDNITZKI 1915, 4: "Pergamentkodex von 202 ursprünglich nicht bezifferten Blättern in Folio. Vorn sind drei Blätter unbeschrieben. Die folgenden fünf Blätter enthalten die Inhaltsangaben in Form von Überschriften der sämtlichen 109 Kapitel. Das neunte Blatt ist wieder leer; dann beginnt der eigentliche Text. Die Handschrift ist nicht vollständig; sie bricht im letzten Kapitel mitten im Satze 'car à les veoir, sambloit à chascun avoir perdu leur meilleur amy' nach dem Worte 'chascun' ab ... Die letzten siebzehn Blätter sind unbeschrieben. Die Höhe jedes Blattes beträgt 36,4 cm, die Breite 26,2 cm. Die Seiten sind in zwei Kolumnen von je 32 Linien beschrieben ... Die Handschrift hat 18 Miniaturen und viele Initialen." BRÜSSEL: BR, II 1156, fol. 1-227: Georges Chastellain, "Le Livre des faits du bon chevalier Messire Jacques de Lalaing" (= CHASTELLAIN VIII-1866, 1-259). KORTRIJK: Stedelijke Openbare Bibl. Kortrijk, Fonds Jacques Goethals-Vercruysse, Cod. 113 (IV,38): Jean le Fèvre de Saint-Remy, dit Toison-d'or. Mémoires (1407-1424) (SAINT-REMY I-1876, II-1881). FAIDER 1936, 79: "XVIIe s., pap., 221 ff., 300X205 mm., environ 40 lignes ... La copie a été faite par plusieurs mains et le volume a été en partie seulement paginé et folioté, avec des omissions de chiffres (sans lacunes) ... Reliure du XVIIe s., vélin." KORTRIJK: Stedelijke Openbare Bibl. Kortrijk, Fonds Jacques Goethals-Vercruysse, Cod. 325 (XVI,4): . Hauts faits et emprises de Jacques de Lalaing. FAIDER 1936, 176: "XVe/XVIe s., pap., 98 ff., 290X205 mm., 36 lignes ... L'ouvrage, anonyme dans le manuscrit, est l'Epître contenant le récit des faits d'armes, en champ clos, de Jacques de Lalain, de Jean Le Fèvre de Saint-Remy, dit Toison d'or, (= SAINT-REMY 1884) publiée pour faire suite à la Chronique du même (cfr cod. 113), d'après un manuscrit de la Bibliothèque nationale, ... Le manuscrit de Courtrai se compose de six cahiers d'inégale importance (14+17+16+ 18+16+16 ff.), comptant au totale 97 ff. exactement cotés de [I] à IIIIxx et XVII, plus un feuillet isloé (fol. 98) coté VIxx et IX, et ne contenant qu'un fragment détaché. Le volume, dont la reliure ancienne a été conservée, porte: 1? au plat antérieur: Lallaing; 2? au plat postérieur, a)... Charles (en partie effacé), b) Jean secgart demourant au ... Reliure du XVe/XVIe s., mouton; en étui." Die tatsächliche Existenz dieser Hs. mit ergänzenden Angaben zur Signatur bestätigte freundlicherweise Herr Paul Vancolen, Stadsbibliothecaris, Stedelijke Openbare Bibl. zu Kortrijk. PARIS: BN, ms.fr. 16830: "Chronique de Jacques de Lalaing." Ehemals BN, ms.fr. 118, fonds Saint-Germain: Georges Chastellain, "Le Livre des faits de Jacques de Lalaing" (= CHASTELLAIN VIII-1866, 1-259). Vorlage für die sogenannte Anholter Hs. (siehe RUDNITZKI 1915). Grundlage des Aufsatzes von GAUCHER 1989. Siehe auch unten die Hinweise zu der St. Petersburger Hs. PARIS: BN, n.a.fr. 1167 (SAINT-REMY I-1876, II-1881) mit einer "notice de Saint-Remy sur Jacques de Lalaing" fol. 68ff. (siehe MORAND 1876, LX). In derselben Hs. fol. 4-68 andere Faits d'armes verschiedener Adeliger, aber auch fol. 40-48: "Le pas fait à Chaalon sur la Sone par messire Jacques de Lalaing, que l'en nomme le pas de la Fontaine de plours." Vgl. CATALOGUE DES MANUSCRITS FRANÇAIS. NOUVELLES ACQUISITIONS FRANÇAISES I-1899, 156ff.: "Gages et batailles, tournois, etc.; Faits d'armes de Jacques de Lalaing, par Jean Le Fèvre de Saint-Rémi". Beschreibung der Gesamths. nach DÉLISLE 1880, 430-432: "XVe siècle, papier, 111 feuillets, 280X250 mm, rel. veau gr., aux armes de Ch. Le Goux de la Berchère, evêque de Narbonne." Vgl. auch RAYNAUD 1902, 546ff. PARIS: BN, n.a.fr. 10054: "Mémoire des faits d'armes de Jacques de La Laing" (teilw. Ed. u. Beschreibung bei ASHBURNHAM 1902, 24f., Nr. XXXVIII. – Noch nach BUCHON 1825, 393f. handelte es sich um eine Hs. der BR Brüssel mit der Signatur 8417, vgl. ASHBURNHAM 1902, 24f., Nr. XXXVIII, hier 24, der die Hs. n.a.fr. 10054 identifiziert als Nr. 8417 des Katalogs der Collection Barrois von 1682 und als Nr. 394 des catalogue de vente, siehe Konkordanz ebd., 57, Nr. 85. Dufresne de Beaucourt hat in seiner Ed. von Mathieu d'Escouchy, siehe ESCOUCHY I-1863, 153, Anm. 1, dann auch darauf hingewiesen, daß er diese Hs. in der Pariser BN nicht hat einsehen können "car il ne se trouve plus à la bibliothèque." Hierzu François Morand im Vorwort von SAINT-REMY 1884, 178: "Le manuscrit qui, au temps de Buchon, portait le n? 8417 du Supplément français, doit être devenu, d'après les constatations faites par M. Léopold Delisle, le n? 85 du fonds Barrois, vendu au feu lord Ashburnham." Siehe dann aber v.a. ASHBURNHAM 1902, 24f., Nr. XXXVIII und schließlich RAYNAUD 1902, 546, der die Hs. identifiziert als BN n.a.fr. 10054, die sich nur unwesentlich unterscheide von der folgenden Hs. PARIS: BN n.a.fr. 1167). Beschreibung nach ASHBURNHAM 1902, 24f., Nr. XXXVIII, hier 25: "XVe siècle. Parchemin. 40 feuillets. 275 sur 210 millimètres. Rel. maroquin grenat, à petits fers." Vgl. CATALOGUE DES MANUSCRITS FRANÇAIS. NOUVELLES ACQUISITIONS FRANÇAISES IV-1918, 12: "Mémoires des hauls et loables faiz d'armes que fist en campclos missire Jacaques de La Laing au temps de son jeune aige." Hinweise nach Kervyn de Lettenhove in CHASTELLAIN I-1863, LIX ("Chronique de Jacques de Lalaing"): [ST. PETERSBURG: Bibl. de M. de Coislin, n? 753 ("St. Petersburg" selbst bei Kervyn de Lettenhove mit Fragezeichen versehen). Eine schriftliche Bitte an die Bibl. gosudarstwennaja publicnaja imeni Saltykowa Scedrina zu St. Petersburg um Klärung der Frage nach dem Verbleib dieser Hs. wurde freundlicherweise vom Leiter der Foreign Acquisitions der St. Petersburger Bibl., Herrn A. P. Romanov, beantwortet. So werden in St. Petersburg tatsächlich Hss. verwahrt, die einst zur Bibl. des M. de Coislin gehörten; keine dieser Hss. lasse sich jedoch mit Jacques de Lalaing in Verbindung bringen. Allerdings ist die Hs. PARIS: BN, ms.fr. 16830 ebenfalls ehemals Bestandteil der Coislin-Bibl. gewesen und somit möglicherw. identisch mit der von Kervyn de Lettenhove genannten Hs. aus St. Petersburg.] [TOURNAI: Bibl. du chanoine de Villers. Eine schriftliche Bitte an die Bibl. Centrale zu Tournai um Klärung der Frage nach dem Verbleib dieser Hs. wurde freundlicherweise von der Bibliothécaire directrice Frau Danielle De Smet beantwortet. Demnach konnte diese Hs. trotz umfangreicher Recherchen nicht ermittelt werden. Möglicherw. fiel sie den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges zum Opfer. S.u. die Angaben zu der Hs. VENDOME: Bibl. du roi de Navarre.] VALENCIENNES: Archives communales c/o Bibl. mun. Siehe GAUCHER 1989, 503, Anm. 1: "Valenciennes 665 (XVe s.)." [VENDOME: Bibl. du roi de Navarre. Eine schriftliche Bitte an die Archives mun. zu Vendôme um Klärung der Frage nach dem Verbleib dieser Hs. wurde freundlicherweise von der Première adjointe à la vie locale, Frau Geneviève Guillou, beantwortet. Demnach konnte die Existenz der genannten Hs. in den Archives mun. zu Vendôme nicht nachgewiesen werden. Möglicherw. befinde sich die Hs. heute in der im Département Loir-et-Cher befindlichen Gemeinde Tournai-sur-Dive, 61160 Le Bourg, womit dann damit möglicherw. das oben genannte Tournai bezeichnet wäre und nicht die heute belgische Stadt.] Nicht überprüfte Hinweise nach GAUCHER 1989, 503 und 503, Anm. 1, die insgesamt von acht Hss. spricht und neben der Anholter, der Brüsseler BR II 1156, der Pariser BN, ms.fr. 16830, der Pariser BN, n.a.fr. 1167 und der aus Valenciennes noch folgende Hss. nennt: Bibl. du Comte de Lalaing. Bibl. du Comte de Limbourg-Stirum. PARIS: Institut, coll. Godefroy 251 (XVIIe s.).
Repertories:FOPPENS I-1739, 519 ("Jacobus de Lalaing", nur Hinweise auf familiäre Herkunft, Grabinschrift, die Schrift von Chastellain und die Ausgabe von * CHIFFLET 1634). – LA CROIX DU MAINE I-1772, 420 (stark verkürzte und teilw. nach Inhalt und Datierung unrichtige Angaben). – BU XXIII-1819, 212-215. – VALLET DE VIRIVILLE 1861. – BEAUNE/ARBAUMONT 1864, LXIf. (Lalaing als Idealtyp eines Ritters) und XXXVI (zum Tod Lalaings durch eine Kanonenkugel). – RIAÑO 1877, 291f. (zur Spanienfahrt 1446 bis 1448). – LOISE 1890a. – CHEVALIER II-1907, Sp. 2736. – FARINELLI I-1920, 63 (zur ersten Reise nach Spanien 1446-1448, Bezug: CHASTELLAIN VIII-1866, 1-259; s.u. FARINELLI I-1942). – FARINELLI I-1942, 128 (s.o. FARINELLI I-1920). – BWBN IV-1852, 15. – LANGE 1986. – BAB Fiche I 386, 404-436 mit zahlreichen weiteren Nachweisen. – CAUCHIES 1991a. – PARAVICINI 1994a, 110-113, Nr. 43 (zur Reise Hzg. Johanns von Kleve ins Heilige Land). – SMEDT 1994, pass. (zu anderen Mitgliedern der Familie Lalaing). – WIN 1994 (beste Bibl. zu Jacques de Lalaing).
Early Prints:Nach GAUCHER 1989, 503 beziehen sich bis auf * CHIFFLET 1634 alle Ed.en auf die Hs. PARIS: BN, ms.fr. 16830.
Editions:* BEAUNE 1995. – * SPRINGER-FLEISCHMANN 1982. BUCHON 1825 (frz.): Chronique de J. de Lalain, par G. Chastellain. – BUCHON 1836 (frz.): Chronique de bon chevalier messire Jacques de Lalaing, frère et compagnon de l'ordre de la Toison d'or, par messire Georges Chastelain (Neuaufl. von BUCHON 1825). – CHASTELLAIN VIII-1866, 1-259 (frz.): Le livre des faits du bon chevalier messire Jacques de Lalaing (ed. Kervyn de Lettenhove). – SAINT-REMY 1842 (frz.). Siehe auch: ESCOUCHY I-1863—III-1864 (PARIS: BN, ms.fr. 497, ancien fond Sorbonne n? 434), pass., v.a. aber I-1863, 148-153 (Reise nach und Kampf in Schottland), II-1863, 9, Anm. 1 (hier der interessante Hinweis des Herausgebers Gaston Dufresne de Beaucourts m.w.N., daß das erste Dokument, das die Auseinandersetzung Philipps des Guten mit Gent erwähnt, ein Brief des Hzg.s an Karl VII. ist, in welchem er die Mission zum Papst und zum Kg. von Aragon, der auch Jacques de Lalaing angehörte, anspricht. Ed. dieses Briefes mit weiteren Nachweisen: ESCOUCHY III-1864, 407-409 nach PARIS: BN, ms.fr. 5041, fol. 19) und zum Tod Lalaings II-1863, 84. Zu Escouchy neuerdings ZINGEL 1995, 96-108. MARCHE I-1883—IV-1888, pass. Zu La Marche neuerdings ZINGEL 1995, 195-222, hier 200f., Anm. 60. SAINT-REMY I-1876, II-1881. Zu Saint-Remy neuerdings ZINGEL 1995, 58-69. SAINT-REMY 1884, 181-239 (frz.): Épitre de Jean le Fèvre, seigneur de Saint-Remy; siehe ZINGEL 1995, 59 mit Anm. 13. Teilw. Ed. v. PARIS: BN, n.a.fr. 10054 bei ASHBURNHAM 1902, 24f., Nr. XXXVIII, hier von fol. 1, 34 u. 37. Die "Choix de documents inédits concernant la seigneurie de Lalaing 1168-1727", in: Souvenirs de la Flandre Wallone. Recherches historiques et choix de documents relatifs à Douai et anciennes provinces du Nord de la France, 2ème série, VIII, 1889, 5-133 geben keine weiteren Hinweise zu Jacques de Lalaing.
References:* ENNETIÈRES 1633. – * REIFFENBERG 1830. – BARANTE V-1835, 260f., Anm. 4 (zur Person Lalaings), 285 (Rückreise aus England und Zweikampf in Brügge mit dem Engländer Thomas Kar). – BARANTE II-1838, 64 (Zweikampf mit Bonifacio), 89 (Anm.), 94f. und 109. – BRASSART 1854, 19-21. – HENNE 1855. – Kervyn de Lettenhove zu Person und Werk Chastellains in CHASTELLAIN I-1863, V-LXIV. – KERVYN DE LETTENHOVE 1864 (v.a zur "joute de la Fontaine des Pleurs"). – QUICHERAT 1864 (Rezension von CHASTELLAIN I-1863—VIII-1866). – FRÉDÉRICQ 1875, 111. – MORAND 1876. – DUFRESNE IV-1888, 93, 98-101, 205-207, 439; V-1890, 101 und 101, Anm. 3, 228 und 228, Anm. 2 und 3. – * BRASSART 1879, 87-89. – PIRENNE II-1902, 432 und 456. – RAYNAUD 1902. – RUDNITZKI 1915 (zum Anholter Turnierbuch). – GOSSART 1902. – CARTELLIERI 1926, 80, 92, 99-103, 128f., 131, 222, 286. – ATIYA 1938, 204 mit Anm. 2. – DOUTREPONT 1939. – RYCHNER 1950, 13-25. – MERCADAL 1952, 56f. – GRIFFIN 1955. – SCHWOEBEL 1967, 84. – BARBER 1970, 138 und 141 (Erwähnung Lalaings im Kontext ritterlicher Biographien und Handbücher), 143, 197 (Tod Lalaings durch eine Kanonenkugel). – RIQUER 1970, 47-63 (nach PAVIOT 1995c, 40, Anm. 61). – HUIZINGA 1975, pass. – PARAVICINI 1975, 544 bzw. 544, Anm. 49. – PARAVICINI 1977, 138f. mit Anm. 56. – DELCLOS 1980 (zu Georges Chastellain). – PARAVICINI 1980, 301. – BORN 1986, v.a. 111-141 (insgesamt beste Arbeit zur Familie Lalaing, mithin auch zu Jacques de Lalaing, allerdings mit Abstrichen bei der wissenschaftlichen Arbeitsweise). – CARON 1987 (benutzte für ihre Untersuchung über den burgundischen Adel "Le Livre des Faits ..." als eine zentrale Quelle). – BEAULIEU 1989, 258. – GAUCHER 1989 (zur Hs. PARIS: BN, ms.fr. 16830). – MOLLAT 1991, 238f. – FAMIGLIETTI 1992, 175-179 (biograph.-chronolog. Schilderung mit einer Abb. auf Tafel 62). – MÜLLER 1993, 37 mit Anm. 17 (zur ersten großen Turnierfahrt Lalaings, hier die Verweigerung der Genehmigung des portugiesischen Hofes zum Ritterkampf als Beleg für die guten Beziehungen zu Burgund) und 48 mit Anm. 27 (m. w. N., zum förmlichen Vertragsschluß der Kreuzzugsallianz zwischen Burgund und Alfons V. 1451). – PARAVICINI 1993, 103, Anm. 69. – GAUCHER 1994 (zum Typus der Ritterbiographie, Jacques de Lalaing, Guillaume le Maréchal, Gilles de Chin, Bertrand du Guesclin, Boucicaut, Gillion de Trazegnies, die Herren von Grave, Jean d'Avesnes und Gaston IV de Foix miteinander analytisch vergleichend). – PAVIOT 1995c, 17, 40-44, 91, 111. – ZINGEL 1995 (zur burgundischen Historiographie des 15. Jh.s). – MELVILLE 1996. – SMALL 1997 (zu Chastellain; siehe sonst lediglich 14, dort Autorenschaft des "Livre des faits ..." anonym).
Remarks:Es handelt sich bei der zugrundeliegenden Chronik nicht um einen Reisebericht im Sinn der vorliegenden Bibl. Sie wurde dennoch aufgenommen, weil sie hinsichtlich der übergeordneten Zielsetzung, durch Berichte von und über Reisen und Reisende auch etwas über spätmittelalterliche Residenzen und das Leben an ihnen zu erfahren, von großem Interesse ist. Die Turnierfahrten Jacques de Lalaings als eine Sonderform des Reisens erfüllen diesen Zweck auf anschauliche Weise.
Itinerary:Reise 1446 bis Anfang 1448 (CHASTELLAIN VIII-1866: Kap. XXIII-XLI, 98-204): Noyon (frz. Hof) - Compiègne - Senlis - Paris - Bordeaux - [Spanien] - [Navarra] - Pamplona - [Kastilien (eine präzise Chronologie des Aufenthalts in Kastilien liefert nach PAVIOT 1995c, 40, Anm. 61 * RIQUER 1970, 47-63, PAVIOT 1995c selbst 40-43)] - Soria - Valladolid - plusieurs villes et chasteaux - [Portugal] - Sabugal, Prov. Beira - Evora - Estremoz - Montheure (= [Montemuro?]) - Evre (Reihenfolge?) - [Kastilien] - Valladolid - [Navarra] - Caval (= Calahorra?) - Tudela - Marcilla - Olite - Tafalla - [Aragon] - Saragossa (Reihenfolge?) - Lerida - Abtei Notre-Dame de Mont-Serrat - Barcelona - Perpignan - Narbonne - Montpellier - Béziers - Nîmes - Avignon - [Dauphiné (Treffen mit dem Dauphin in der Nähe von Valence bei Romans)] - Lyon - [Burgund] - [Champagne] - [Flandern] - Brügge - Schloß der Familie Lalaing. Schottland und London Dezember 1448 bis 1449 (CHASTELLAIN VIII-1866: Kap. XLII-XLV, 164-181): Sluis - Edinburg - (Burg) Sterling -London - 's-Gravenzande - Brüssel. Rom/Neapel 1450-1451 (CHASTELLAIN VIII-1866: Kap. LXVI, 247-249): Châlons-sur-Marne - Rom - Neapel - [Lombardei] - [Savoien] - frz. Hof - Mons. Rom 1451 (CHASTELLAIN VIII-1866: Kap. LXVI, 249ff.): Mons - Rom - Neapel - [Lombardei] - [Savoien] - [Burgund] - Brüssel.
Printed:Hirschbiegel: Niederländische Reiseberichte, Nr. 6 Title and table of contents with references to pages
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